Bestuhlt - Essen im Veranstaltungsraum ab Einlass bis Beginn sowie in der Pause

Termine

Zurück

Eintritt: VVK € 12,00 / AK € 14,00

Georg Eggers alias "Grög!"

Wo denken Sie hin? - Literarisches Kabarett

Wo denken Sie hin?
Oder: Literarisches Kabarett auf der Suche nach menschlicher Vernunft in der Lebensphase zwischen Koitus und Exitus unter besonderer Würdigung des totalen Scheiterns.

Woran denken Sie, wenn Ihnen eine literarisch-poetische Betrachtung sämtlicher großen Lebensfragen (Woher? Wohin? Und wozu überhaupt?) an einem Abend angekündigt wird? Vermutlich nicht unbedingt an ein Spektakel aus Lyrik und Prosa, dessen tragende Rollen mit depressiven Krokodilen, rolltreppen-verstopfenden Händchenhaltern, untreu vögelnden Vögeln, dem Zappel-Kevin, Laub blasenden Frührentnern, dem Münchner Kalk oder mit Hänsel und Gretel besetzt sind.

Kann das alles poetisch sein? Irgendwie schon – schließlich hat „Der Spiegel“ den Autor zu den „bizarren Erscheinungen unter den Dichtern und Verrenkern“ gezählt und die Süddeutsche Zeitung führt ihn unter dem Schlagwort „Poesie + Krabä, Krabä“ im Online-Archiv.

Denken Sie sich also besser nichts. Aber rechnen Sie mit allem.

http://www.groeg.de/


PRESSEKRITIK

Georg Eggers alias Grög!
Wo denken Sie hin?
Zwischen Koitus und Exitus

Kabarettist Georg Eggers zündet ein Wortfeuerwerk

Dachau – Die Analyse, Simulation und Optimierung der Selbsterwärmung elektronischer Baugruppen ist ein Arbeitsgebiet von Georg Eggers, alias Groeg. Ein anderes ist das literarische Kabarett. Wie erfolgreich der Ingenieur in Sachen Selbsterwärmung ist, blieb am Freitagabend ein Geheimnis. Dass er seinem Publikum als Kabarettist ordentlich einheizen kann, zeigte er aber im „Café Gramsci“ in der Reihe Inkognito, die der Kulturverein Tollhaus organisiert. Eggers verwandelte die kleine Kneipe in ein solches. Und brauchte dafür nur 60 Sekunden.

Alleine, wie sich dieser 1,95-Meter-Schlacks auf der Mini-Bühne dreht, verrenkt und das Mikrofon malträtiert, in seiner Grabbelkiste herumwühlt und das alles mit vielen gewollten Ähs und Ohs kommentiert, reicht schon, um das Publikum in Beigeisterung zu versetzen. Die steigert sich noch, wenn er mit stets etwas atemloser Stimme und einem Blick, den Heinz Erhardt nicht verschmitzt-hintergründiger in die Runde hätten werfen können, von all dem erzählt, was „zwischen Koitus und Exitus“ so passieren kann.

Und das ist eine ganze Menge. Da geht es zum Beispiel um Kinder. Die sind „unheimlich süß, und das rettet ihnen zwei- bis dreimal am Tag das Leben“. Etwa dann, wenn sie hilflos der „übelsten Form, der Indoktrination, der Gute-Nacht-Geschichte“ ausgesetzt sind. Die wird bei Eggers zum neoliberalen Märchen. In dem geht es um eine „Familie des Prekariats“. Die Mutter sagt: „Wir müssen uns auf unsere Kernkompetenzen als kinderloses Ehepaar besinnen, die Familie gesundschrumpfen und die beiden Kinder, Hänsel und Gretel, freisetzen. Die landen im „Startup einer älteren Hexe“, die „als Ich-AG eine Kinderbraterei“ eröffnet hat. Wie die Geschichte ausgeht, ist bekannt. Der Hexe widerfährt „ ein sozialverträgliches Ableben knapp vor der ersten Rente“.

Doch das ist erst die Ouvertüre zu einem wahren Wortfeuerwerk herrlich abstruser, manchmal makabrer, aber immer urkomischer Gedichte und Geschichten, die von einer Reise durchs Leben unter ganz speziellen Gesichtspunkte erzählen. Etwas vom „apokalyptischen Händchenhalten- Dreier“. Was man sich darunter vorzustellen hat? Die ultimative Antwort auf Pärchen, die am Samstag vor Weihnachten kurz vor Ladenschluss mit ihrer Knutscherei auf der Rolltreppe ihre Mitmenschen bei der verzweifelten Geschenkesuche stören. Eggers Schlussfolgerung: „Liebe verhindert den Konsum. „Mag sein, aber für den Spitzenkabarettisten kein Hinderungsgrund, die Liebe in all ihren Ausprägungen mit brillantem Wortwitz zu beschreiben.

Umwerfend ist auch Eggers literarische Umsetzung eines Schüsselerlebnisses jeden Billy-Regal-Käufers. Er macht daraus die zwerchfellerschütternde Ballade „Die Rache des Inbus“.

Das Publikum rast, der Poet genießt die Begeisterung und setzt immer noch eins drauf. Ein Abend, der zum Besten in Sachen Kabarett gehört, was in Dachau seit langem zu hören und zu sehen war.

Dorothea Friedrich – Süddeutsche Zeitung