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Miriam Ibrahim

Akzentfrei

Wo kommen Sie denn her?
Aus Stuttgart.
Nein, ich meine ursprünglich.
Ach so, Sie möchten wissen, wo meine Eltern her kommen. Mein Vater kommt aus Äthiopien. Aber meine Mutter ist deutsch und ich bin hier geboren und aufgewachsen.

Wußte ich doch, dass Sie Afrikanerin sind.

Miriam ist Deutsche, und dass so etwas angesichts einer dunkleren Hautfarbe eine Tatsache ist, mit der deutsche Ureinwohner nur schwer umgehen können, wird in Akzentfrei  makaber-böse aufgedeckt.

Akzentfrei kommt nicht mit dem Zeigefinger, sondern mit dem bissigen Elan einer Generation von Migrantenkindern, die ihren Platz in der deutschen Gesellschaft zu Recht voll und ganz einnehmen wollen.

Die deutsch-äthiopische Miriam Ibrahim ist gerade von Stuttgart nach Hamburg gezogen. In Hamburg stößt sie unter anderem auf Peter, dem charmanten jungen Nachbarn, der zu Miriams Verwunderung gar nicht auf die Idee kommt, sie nach ihrer eigentlichen Herkunft zu befragen. Im Ordnungsamt sitzt sie plötzlich neben der Sozialpädagogin Britta, die Miriams afrikanisches Äußeres überschwänglich begeistert und sie ohne Nachfrage zu der Schlussfolgerung führt, dass Miriam Afrikanerin sei. Später begegnet sie einer Oma, die sofort von ihrem äthiopischen Patenkind erzählt.

Aber neben diesen humorvollen Begegnungen gibt es traurige und beängstigende Begegnungen, wie die mit dem Flüchtling Noah oder der Kassiererin Anja. Noah bereitet sich auf ein Gespräch zu seinem Asylverfahren vor und kann dabei von einem Leben berichten, das an allen Erfahrungen grenzt, die ein Durchschnittsbürger der europäischen Gesellschaft machen kann. Anja hingegen ist eine junge Deutsche, der beim Anblick einer schwarzen Frau direkt übel wird.

So streift Miriam in ihrem Spaziergang Menschen und Schicksale, die mal berühren, provozieren oder amüsieren.

Dieses Stück gibt keine Antwort auf Integrationsproblematiken. Es geht auch nicht um die Hintergründe derer, die nach der Abstammung fragen, sondern um die, die antworten sollen.

Am Ende wird man auf Einiges gestoßen sein, über die sich Mitbürger ohne Migrationshintergrund noch nie Gedanken machen mussten.

„Oder können Sie sich eine Pubertät in Ihrer Heimat ohne passenden Abdeckstift vorstellen, nur weil es kein make-up für Ihren Hauttyp gibt?“

Akzentfrei wurde am 1.4.2008 im Kulturhaus 73 als Solotheaterstück uraufgeführt.
Schauspielerin: Miriam Ibrahim
Inszenierung: Rayka Kobiella

Autoren: Rayka Kobiella & Miriam Ibrahim

Rayka Kobiella studierte an der Universität Hamburg und an der Michel de Montaigne in Bordeaux Germanistik (Theater & Medien) und Ethnologie (2000-2007). Sie arbeitet seit 2005 als Autorin und Regisseurin.

Miriam Ibrahim absolvierte ihre Ausbildung an der Stage School Hamburg mit Schwerpunkt Schauspiel. Ihr Debüt hatte die gebürtige Stuttgarterin 2005 am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Ihre Erfahrungen waren der Auslöser für dieses Stück.

„Akzentfrei“ ist für beide das erste selbstverfasste Theaterstück.

www.miriamibrahim.com