Bestuhlt - Essen im Veranstaltungsraum ab Einlass bis Beginn sowie in der Pause

Termine

Zurück

Eintritt: VVK € 12,00 / AK € 14,00

Ludwig Müller

Der Paragrafenreiter

„Wer zwei linke Hände hat, sollte die Rechte studieren“ lautete seinerzeit das Motto bei der Berufswahl. In der Rolle des Dr. Ferdinand Just ist der Ex-Jurist Ludwig Müller diesmal mit untrüglichem Blick fürs Kleingedruckte unterwegs. Und bald rundum mit fremden und eigenen Streitfällen ausgelastet. Ob Grillgeruch vom Nachbarbalkon, Mobiltelefone mit ominösen Schwitzschäden, die ungerechtfertigte Abschleppung seines PKWs – gut, dass es wenigstens einen gibt, der weiß, wie’s geht. Auch wenn ihm das Freunde, Nerven und Freizeit kostet.

Unausgeschlafen und unterbezahlt im Dienste der Rechtsanwaltskanzlei Friederikowitsch & Prucha bahnt er mit der eisernen Faust des Rechts den Weg durch den Paragrafendschungel. Wussten Sie eigentlich, dass im Lokal nicht zu bezahlen keine strafbare Handlung ist? Und eine bloße Ohrfeige nicht den Tatbestand der Körperverletzung erfüllt, Haare schneiden hingegen u.U. schon? Und dass die Aufschrift „Reklamation ausgeschlossen“ oft nicht nur der einzige Witz des Händlers ist?

Was alles beim Abschluss einer Ehe vermögensrechtlich zu beachten ist, weiß Dr. Just natürlich auch. Leider fehlt ihm beim Thema Partnerschaft jede Praxis. Gelegenheiten, privat zu scheitern, bietet ihm das Leben ohnehin genug. Dafür steht er allen Unkundigen dieser Welt – auch ohne deren ausdrücklichen Wunsch - jederzeit mit Trost und Rat zur Seite. So wird der grimmige Rechtsstreiter zum Anwalt der Herzen. Und im nächsten Moment zur neurotisch-präzisen Gemeingefahr für alle, die es besser wissen wollen!

Prädikat: Zwerchfellerschütternd informativ!


PRESSEKRITIK

König des Schüttelreims

Ingolstadt (DK) Chirurg zum Patienten: "Ich ess jetzt eine Topfencreme, bevor ich Ihren Kropf entnehm." – Grundsatzfrage: "Darf eine islamische Touristin in einem österreichischen Hotel unter ihrer Burka rauchen" – Kompliment: "Gnädigste, Ihre Figur ist perfekt. Nur verkehrt herum zusammengebaut."

Mit solchen Sachen beschäftigt sich also Ludwig Müller aus Wien. Und das allen Ernstes. Dabei heißt das Programm, das er seinem Publikum bei den Kabaretttagen in der ausverkauften Neuen Welt vorsetzt, doch "Der Paragrafenreiter". Um die Juristerei sollte es da doch eigentlich gehen. Und sollte man da nicht ein klein wenig mehr Seriosität erwarten dürfen? Vielleicht ein paar Anwaltswitze und lustige Aussprüche aus Richtermund? Schnecken an Blattsalat

Nun ja, das bietet Müller schon auch, aber eher nebenbei, denn seine Hauptaufgabe sieht er weniger darin, sich über Anwälte, Sozietäten oder Kanzleiangestellte lustig zu machen. Die braucht er nur, um um sie herum eine Geschichte aufzubauen, um einen roten Faden zu haben. Womit er sich eindeutig von anderen Themenkabarettisten abhebt, ist seine Sprachlust, seine Vielsprachigkeit zwischen Juristendeutsch, Wiener Proletenslang und Dichterhandwerk. "Wer zwei linke Hände hat, sollte die Rechte studieren", heißt es einmal im Programm, was ebenso treffend formuliert ist wie sein Kommentar zum Speisenangebot im Edel-Restaurant. "Schnecken an Blattsalat? – Ja, dann wascht’s ihn halt!"

Zu legendärer Form läuft er freilich bei den Schüttelreimen auf, die das Programm durchziehen. Der beinhart formulierte und mit trockenem Humor vorgetragene Zweizeiler: Er ist seine große Liebe, bei dessen Fertigung leistet er vorzügliche Arbeit. Vermutlich kommt er hier sogar an so legendäre Schüttler wie Robert Gernhardt oder F.W. Bernstein heran.

Höherer Nonsens

Diese für höheren Nonsens so hervorragend geeignete lyrische Kurzform ist auch in dramaturgischer Hinsicht wichtig, denn bei der im Laufe des Abends stetig sich erhöhenden Pointen- und Bonmotdichte gibt sie dem Zwerchfell des Zuhörers letztendlich den Rest. Der Höhepunkt liegt denn auch ganz am Ende, als Müller die Schlagzahl noch einmal erhöht, in einen regelrechten Schüttelrausch verfällt, diverse Dialekte und Kunstsprachen unterrührt und erst Ruhe gibt, als kein Auge mehr trocken ist.

Ludwig Müller gilt als der ungekrönte König des Schüttelreimes. Jetzt weiß man warum. Weil er als Themenkabarettist gut, als Verfechter dieser Kleinform aber einzigartig ist. Er sei ja Mitglied im "Verein zur Förderung des Schüttelreims", erzählt er in der zweiten Zugabe. Wenn der mal Sitzung hat, möchte man glatt gerne Mäuschen sein.

(Karl Leitner, Donaukurier v. 23.02.2011)